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13Mrz

Bedrohte Artenvielfalt in Ascheberg?

Eine wissenschaftliche Arbeit veranlasste die Ascheberger CDU-Fraktion sich der Artenvielfalt anzunehmen. B’90-Grüne hatten zwar bereits vor 5 Jahre mit einer Veranstaltung auf dieses Ascheberger Thema hingewiesen, aber Wichtiges braucht oft einen konkreten Anlass. Überwiegend befindet sich die Biodiversität im Außenbereich, weswegen wir uns nicht auf den Dorfkern beschränken dürfen. In Bauernschaften wohnen meist die Bauern, die laut Ratsmitglied Silkenböhmer, ja bereits edelste Pfleger der Umwelt seien. Jedoch: wenn die CDU-Fraktion sich zurecht sorgt, läuft bei der bäuerlichen Pflege irgendetwas falsch
… oder aber wir schätzen zusammen mit dem dealmaker Mr. Donald Trump die botanische Wissenschaft als chinesische Chimäre ein.

In den Dorfkernen und an den Straßen behandeln Gemeinde und Kleingärtner unsere Artenvielfalt. Es gibt vier wesentliche Habitatstypen für diese Vielfalt:

  • Straßenränder werden zu oft gemäht, was Vielfalt senkt und Gräser fördert
  • Bauplätze werden nicht bearbeitet, was aktuell Jakobskreuzkraut fördert, und über kurz oder lang zu Spritzmitteleinsatz führt, und Artenreichtum senkt.
  • Frei- und Brachflächen werden sehr häufig gemäht, was Artenreichtum stört.
    Die CDU-Fraktion schlug als proaktive Maßnahme Einsaat von artenreicher heimischer Mischungen in den Kreisverkehren vor. Das macht unser Dorf für Tourismus attraktiv, aber der Artenvielfalt bringt es wenig. „Die Kreisverkehre“ belegen weit weniger als 0,0001 % der Gemeindefläche!!
  • die Gärten werden regelmäßig auf Beikraut-freien Beeten von exotischen, also nicht heimische Pflanzen bewachsen und von grünem Rasen eingefasst.
    Dies dient zur Freude und Erholung der BesitzerInnen und macht so Sinn. Artenvielfalt jedoch geht wirklich anders.

Jedoch liegen im Dorf weit weniger als 3% der Ascheberger Freiflächen, und somit kommt das Dorf nicht einmal so benannten Flächen-Gemeinderat. Wer Artenvielfalt an Kreisverkehren festmacht, den sollten wir nicht zu Ernst nehmen.
Sonst wird uns bald schon niemand mehr Ernst nehmen!

 

Es bleiben die Bauernschaften mit Wald Ackerland und Randstreifen, Weiden und Brachland, dort wo Bauern schafften oder schufen und immer noch schaffen.

Aschebergs Forst ist Nutzforst, und allen Studien folgend daher per se artenarm.
Pilze sind Zeigerpflanze der Artenvielfalt. Um Pilze zu sammeln, geht der Mitbürger jedoch besser in die Wälder der Nachbar-Gemeinden.

Zu Aschebergs Äckern passt das Lied ”Sag mir wo die Blumen sind. Wo sind sie geblieben?” Pflanzenschutz und Güllelandwirtschaft mit 170 kg N je ha brachten Blumen um die Ecke! Artenreichtum und N-reichtum sind ökologische Antipoden.
Auch die Ackerandstreifen sind überdüngt, was uns die Grasdominanz zeigt. Bei Einsaat von Blütenmischungen wächst spätestens in Jahr 3 fast nur noch Gras.

Gedüngte Weiden werden höchstens noch vom Löwenzahn beblüht. Dieser gilt aber als Zeigerpflanze stickstoffreicher und artenarmer Standorte.

Verbleibt das Brachland, also Naturschutzreservate und Lärmschutzwälle.
Naturreservate gibt es in relevanter Größe in Davensberg, was für Ascheberg damit die Heimat der Artenvielfalt ist: Emmerbachauen und NABU-Feuchtwiese. Diese werden in Zukunft Touristenmagneten in Ascheberg darstellen.
Lärmschuzwälle sind bei richtiger Planung und Pflege Kleinode der Artenvielfalt.
Als Trockenhabitate mit nährstoffarmen Böden bieten sie beste Bedingungen für Artenreichtum. Ascheberger Lärmschutzwälle wurden vor Kurzem kostengünstig verkauft. Da hätten wir die Chance gehabt, Artenvielfalt in die eigene Hand und Pflege zu bringen. Der Gemeindehaushalt hätte dies erlaubt.
Zu spät! Schade …

Leider haben Landwirtschaft als auch Gemeinde Ascheberg sowohl gegen das NABU-Naturreservat als auch gegen Lärmschutzwälle bislang ihre Einwände zum Ausdruck gebracht. Vielleicht ändert das Bewusstsein um die Bedeutung der Artenvielfalt ja diese Abschätzungen. Freiflächen sind angepasst zu bewachsen und zu pflegen, wie dies in der Emmerbachaue mit Schafsbeweidung geschieht.
En Anfang ist gemacht.

…. und am Ende: was kann denn der einzelne Ascheberger Mitbürger tun, um Artenvielfalt zu fördern?
Zunächst kann er durch sein Kaufverhalten, die Artenvielfalt fördern.
Biologischer Anbau fördert Artenvielfalt!
Die Landwirtschaftskammer Münster veranstaltete 2017 eine Konferenz zur Zukunft der Landwirtschaft mit Teilnehmern aus 12 Ländern Europas. Als Vorzeigeobjekt “zukunftsfähiger Landwirtschaft im Münsterland” wählte sie den Biolandbetrieb Altfeld in Nordkirchen, der über die artenreichsten Flächen der gesamten Region verfügt. Ihn stuften diese Projektteilnehmern als das Vorbild für die Landwirtschaft von Morgen ein (hierzu RN-Artikel vom 23. Juni 2017).

Aber nicht nur an der Ladenkasse beeinflussen wir die Artenvielfalt. Gespräche mit Landwirten auf Kirmes und Schützenfesten können hart arbeitende Landwirte ermuntern, ihre Betriebes umzustellen. Das ist eine Frage der Zukunft für jeden Hof und erfordert Mut. Wir Ascheberger können den Bauern mit unserer Solidarität dabei helfen. Lassen wir uns nicht lumpen und werden tätig. Unterstützen wir die Bauern in dieser schweren Stunde ihres „Bauern schaffen!“ für eine “zukunftsfähige Landwirtschaft im Münsterland”. Dazu Strukturen zu schaffen, fordert B’90-Grüne OV Ascheberg, die Gemeinde Ascheberg auf.
Schaffen Sie die Ökoregion Ascheberg (s.a. https://www.oekoregion-kaindorf.at/)..

Nur Mut!

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Hubertus Beckmann
Master Ökologischer Landbau, Landwirt, Kleinbauer und Berufsimker
Sprecher B’90-Grüne OV Ascheberg

Verfasst am 13.03.2018 um 23:05 Uhr von .
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