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28Jul

5. Bürgerstammtisch: Kompostlandwirtschaft und Lebensraumkorridore – Chancen für das Klima

Der Klimawandel, seine Folgen und die Möglichkeiten einer Reaktion der Landwirtschaft darauf war Inhalt der von den Grünen Ascheberg veranstalteten Diskussion.

Landwirtschaft beeinflusst das Klima. Nicht nur die Rodung Brasilianischer Regenwälder, sondern auch der vor Inkrafttreten des EU-Grünlandumbruchverbots in Ascheberg praktizierte Wandel von Grünland zu Ackerland hat massiven CO2-Ausstoss zur Folge. Die Baden-Württemberger Landesregierung bezeichnet daher das Grünlandumbruchverbot als „Wertvollen Beitrag zum Klima- und Artenschutz“ (www.mlr.baden-wuerttemberg.de/Gruenlandumbruchverbot_Wertvoller_Beitrag_zum_Klima_und_Artenschutz/106971.html).

Landwirte pflegen einen großen Teil unserer Natur. Daher wurde das Beispiel der Österreichischen Ökoregion Kaindorf (Steiermark) angeführt, wo Landwirte nicht nur die Natur pflegen, sondern nebenbei für das 2°C-Ziel arbeiten und in ihrem Ackerland durch Anreicherung von Dauerhumus große Mengen CObinden. Für die CO2-Bindung, aber auch für eine langfristige Speicherung von Nährstoffen und Wasser ist der Dauerhumus zuständig, und nicht die Organische Masse oder die Fraktion des Nährhumus, wie dies oft irrtümlich geäußert wird. Bei einem gesunden Boden stehen Dauerhumus und Nährhumus in einem Zusammenspiel, war den Boden widerstandsfähig gegen die Einflüsse der Umwelt macht.
In Kaindorf wird dieser Gehalt des Bodens an Dauerhumus von zertifizierten Prüfern kontrolliert und in den CO2-Emissionshandel eingebracht. Die Landwirte bekommen dabei vom lokalem Handwerk durchschnittlich 30 € je Tonne gespeichertes CO2 gezahlt. Das Handwerk nutzt die CO2-Zertifikate für eine effektive Werbung. Da jedes Prozent Dauerhumus je Hektar 80 Tonnen CObindet, bringt dieser Handel dem Landwirten 2.400 €/ha je Prozent Dauerhumuszunahme ein. Bei einer langfristig anzustrebenden Steigerung von momentan ca.1,5% Dauerhumus auf 5 bis 6% sind das dann über 10.000 €/ha, die den zwischenzeitlichen Ernterückgang kompensieren. Da aber heutige Ackerböden durch ihr eingeschränktes Bodenleben den Aufbau an Dauerhumus nicht mehr garantieren können, wird dem Vorbild Kaindorf folgend die Anlage eines Komposthofes vorgeschlagen. Dort wird ein ordnungsgemäßer Humusaufbau in Großmieten reguliert. Näheres hierzu bei Gerald Dunst (2011), Humusaufbau: Chance für Landwirtschaft und Klima.
Zu den Klimachancen dieser Landwirtschaft sagt Deutschlandradio: „Würden zunächst nur zehn Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland nur ein Prozent mehr Humus enthalten, dann lägen fast 100 Millionen Tonnen Kohlenstoff sicher im Boden und würden den CO2-Ausstoß der hiesigen Wirtschaft um nahezu ein Viertel reduzieren.“ (www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/1939267/).

Zum anderen Thema:
Klimawandel bedeutet auch Artensterben. „Lebensraumkorridore für Mensch und Natur“ wurden bereits vor 10 Jahren als notwendiges Konzept für den Erhalt der Artenvielfalt erkannt (www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/LRK04_Text.pdf oder www.trunpa.eu). In Regionen intensiver landwirtschaftlicher Nutzung sind laut dem Sprecher des Deutschen Bauernverbandes Friedhelm Deckert „ökologisch tot“. Hier bietet sich ein landwirtschaftlich genutzter Lärmschutzwall-Korridor als nährstoffarmer und damit potentiell artenreicher Standort für Lebensraumkorridore an. Fachgerecht angelegte Lärmschutzwälle schützen nicht nur Mensch und Natur vor Lärmbelastung, sondern beugen dem Artensterben vor. Schafe als „das natürliche Samentaxi“ bieten sich hier für Nutzung und Pflege an, wie wir es bereits von den Nordseedeichen oder den Lärmschutzwällen der Niederlande (z.B. A1/E30 nahe Apeldoorn) her kennen. Dabei speichern diese landwirtschaftlich genutzte Lärmschutzwälle je Kilometer mehr als 15.000 Tonnen CO2, schützen Artenvielfalt und produzieren nachhaltig nachwachsende Rohstoffe.

Was hindert uns daran Ascheberg zur Ökoregion zu machen?

Hubertus Beckmann, Steenrohr 5, Ascheberg

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Hubert Beckmann
M.sc.agr. (Organic Farming)
D-59387 Ascheberg – Steenrohr 5

Verfasst am 28.07.2013 um 3:59 Uhr von .
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