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18Feb

Ascheberg geht es gut – Haushaltsrede B90-Grüne zum 20-02-2018

Sehr geehrte Damen und Herren von Gemeinderat und Verwaltung, verehrte Anwesende,
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Risthaus!

Herr Dr. Risthaus, den Gemeindehaushalt von 2018 stellten Sie unter das Motto
Ascheberg geht es gut!

Unserer Gemeinde geht es gut, weil in ihr viele fleißige Hände Gutes bewirken. Fleißige Hände zu kombinieren, ist Aufgabe unserer Gemeindeverwaltung. Aber ob es Ascheberg wirklich gut geht, entscheiden andere Größen wie verkaufte Baugebiete, Haushaltsüberschüsse, gefüllte Ausgleichsrücklage oder Anzahl der Kindergartenplätze. Gutgehen, nachhaltige Entwicklung entscheiden nicht ökonomische Größen. Soziale, kulturelle und ökologische Komponenten sind mindestens genauso wichtig.

Wir beide, Herr Dr. Risthaus, sind gläubige Katholiken, und unser Glaube entscheidet ganz wesentlich, was gut ist, und was nicht.
Nicht wahr?
Herr Dr. Risthaus, vergaßen Sie nicht Komponenten, die Papst Franziskus in das Zentrum eines guten Lebens gerückt hat, und damit auch ins Zentrum, ob es Ascheberg gut geht oder nicht.
Ich weiß, Herr Dr. Risthaus, sie werden diese Punkte bedenken, und uns nachreichen. Einem katholischen Bürgermeister wird dies Herzenswunsch sein, oder?

Wie geht’s Ascheberg?
Wie der Monatsbericht 12-17 unseres Landrates Dr. Pellengahr zeigt, ist 2017 im Kreis Coesfeld Ascheberg Gemeinde größter Zunahme an SBG II-Empfängern.
Nur 11 Mitmenschen gelang es aus SBG II in den ersten Arbeitsmarkt zu migrieren:
schlecht, ganz schlecht ist das.

Na klar, liegt das auch an den Mitmenschen, die aus der Fremde kamen und bei uns Hilfe suchen. Papst Franziskus mahnt:
«Wir müssen die Flüchtlinge aufnehmen, weil das ein Gebot der Bibel ist.»
Er lädt ein, «Gesetzgebungen über die Migration zu überdenken, damit sie – in der Achtung der wechselseitigen Pflichten und Verantwortungen – von Aufnahmebereitschaft geprägt sind und die Integration von Migranten vereinfachen können». Die Geflohenen seien «unsere privilegierten Lehrer für das Verstehen, wer Gott ist, denn sie demaskieren unseren Egoismus, unser falsches Sicherheitsbedürfnis, unsere Selbstgenügsamkeit, und sie führen uns zur Erfahrung der Nähe und Zärtlichkeit Gottes.»
Genau das gehört doch dazu, ob es Ascheberg gut geht oder nicht, ob Ascheberg gut ist oder nicht?

Sie sagen, Herr Dr. Risthaus: „Die Integration der Flücht-linge nun auch in den Arbeitsmarkt ist gut angelaufen.
Uns interessieren prozentuale Angaben:
Wie viel Prozent der Flüchtlinge haben bereits Arbeit und sind in den ersten Arbeitsmarkt integriert. Dabei interessieren nicht Straßen- und Friedhofskehrer. Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt sind kaum bekannt.
Bitte tragen Sie die Zahlen nach. Danke!
Noch was:
Ascheberg hat seine Flüchtlinge kaserniert, was psychosoziale Folgen bedingt, die Hassprediger auch in Ascheberg begünstigen.

Herr Dr. Risthaus, noch was anderes:
Wie viele Menschen gehen zur Tafel?
Sind es mehr oder weniger vor einem Jahr?
Und wie viele von diesen unseren Mitbürgern sind Rentner? Wie hat sich diese Zahl entwickelt?
Alte Menschen, die unsere Gesellschaft aufbauten und nach diesem langen Leben dann zur Tafel gehen müssen, sind für eine Gesellschaft beschämend, finden sie nicht auch?
«Es ist unerlässlich, neuen Formen von Armut und Hinfälligkeit – den Obdachlosen, den Drogenabhängigen, den Flüchtlingen, den eingeborenen Bevölkerungen, den immer mehr vereinsamten und verlassenen alten Menschen – unsere Aufmerksamkeit zu widmen.», mahnt Papst Franziskus.

Auch wenn es um den Klimawandel und die neuen Energien geht, steht Ascheberg bescheiden da.
Finden Sie das nicht, Herr Dr. Risthaus.
Wissen Sie noch, als es um die Flüchtlinge ging, traten Sie in der Tagesschau auf. Da wurde ich von Münchenern auf unseren Bürgermeister Herrn Dr. Risthaus angesprochen. Hätten Sie diese ihre Verbindungen nicht auch angesichts unserer Windenergieprobleme spielen lassen können? Ich weiß, sie hätten viele Gegenspieler in unserem Gemeinderat gehabt. Drei Parteien scheinen sich da einig.
Windenergie sei im Münsterland nicht rentabel, … na ja rentabler als Kohlekraft, Hammgas oder Kernenergie alle Male.
Und es sei doch völlig unklar, ob Windkraftwerke sich nicht negativ auf die Gesundheit der Menschen, besonders die der Epileptiker auswirke. … und der Infraschall erst einmal.
Nun, wenn diese Bedenken Sinn machen, warum kommen gerade diese Bedenkenträger dann mit ihrem PKW zu dieser Ratssitzung. Beim PKW sind die Irritationen und negativen Einflüsse auf die Umwelt und Gesundheit der Menschen längst wissenschaftlich untermauert, z.B. durch die NAROMI-Studie.
Unter Umständen handelt es sich ja bei diesen unseren Kollegen um Personen, die an allem etwas zu kritisieren oder zu meckern haben, die das Wiktionary umgangssprachlich auch als Heulsusen klassifiziert.
Ist Ascheberg das Dorf, in dem Heulsusen versuchen, die Energie der Zukunft auszubremsen.
Denen macht die Luftaufsicht eine echte Freude. Währenddessen rasselt in Lüdinghausen mit den neuen Anlagen die Stadtkasse.
Lüdinghausen geht es gut!

Und Ascheberg soll es damit gut gehen. Nee! Ascheberger müssen ihr Geld weiterhin unökologisch in Baugold anlegen, auf wachsende Bevölkerungszahlen spekulieren. Sie können immer noch nicht durch Windenergie langfristig, also über 20 Jahre mit
4 bis 5 % per anno eine gute Rendite erzielen.
Saerbeck geht es mit seinen Windenergieanlagen hervorragend.
Auch Ascheberg hätte dazu beste Chancen gehabt.

 

Der Bauausschuss beschloss:
Kein Extra-Geld für Ascheberg blüht!

Die hiesige Artenvielfalt ist aktuell bedroht.
In Laudato Si lesen wir: „Dass Menschen biologische Vielfalt in der göttlichen Schöpfung zerstören; dass Menschen die Unversehrtheit der Erde zerstören, indem sie Klimawandel verursachen, indem sie die Erde von ihren natürlichen Wäldern entblößen oder ihre Feuchtgebiete zerstören; dass Menschen anderen Menschen Schaden zufügen und sie krank machen, indem sie die Gewässer der Erde, ihren Boden und ihre Luft mit giftigen Substanzen verschmutzen – all das sind Sünden.
Aber nicht nur die Landwirtschaft, gleichfalls die im Einverständnis unserer Landwirte ständig wachsenden Neubaugebiete sind für die Artenvielfalt problematisch. Selbst die GroKo erkannte dies, und versucht die Versiegelung langfristig zu reduzieren. Zu dieser Langfristigkeit fällt uns nur ein: „Wer zu spät kommt, den straft das leben!“
… und Ascheberg kommt anscheinend noch später!
Artenvielfalt bildet ein ganz heikles Ascheberger Thema.
Wir zerstören die uns erhaltende und belebende Schöpfung, in nie da gewesener Geschwindigkeit, auch hier in Ascheberg. Fragen Sie da mal die Abundanz der Zeigerpflanzen nach Professor Heinz Ellenberg, dann wissen Sie, was jetzt los ist.

Und was kann die Gemeinde da tun?

Herr Bürgermeister, beschränken sie den Schnitt der Straßenrandvegetation auf den Spätsommer, und lassen sie das Schnittgut abfahren. Das dauert dann seine Zeit. Aber, ich als Agrarökologe garantiere Ihnen: nach spätestens 10 Jahren wird die biologische Vielfalt zurück kehren.
Das ist auf alle Fälle das, was Papst Franziskus sich von seinen Gläubigen erhofft:
der Schöpfung Gottes Nischen zu schaffen, und sei es nur ein Straßengraben.
Nehmen Sie bei der Herkulesstaude statt Glyphosat die Sense.
Die Nicht-Monsantos und die Schäfer wissen: 7 Jahre Einsatz von Schafbeweidung beseitigen die Herkulesstaude.
Nach einer Kartierung der Wuchsstellen bewirkt die Sense selbiges!

Wenn es um Artenvielfalt im Münsterland geht, muss natürlich insbesondere die Landwirtschaft erwähnt werden. Die Bauern haben es nicht leicht, in ihrem sozialdarwinistisch anmutenden Kampf des „Wachse oder Weiche“. Papst Franziskus unterstreicht in Laudato Si, dass die von der Landwirtschaft eingesetzten Agrotoxide die Schöpfung zerstören und zu ersetzen sind. Und dabei führt er nicht, so wie die Agrarlobby das immer tut, Paracelsus und seine Mäßigung des Giftes an.
Nein! Für Papst Franziskus ist Gift Gift. Und so wie Bischoff Felix dies am Sonntag predigte: hier in Ascheberg und bei jedem Einzelnen muss der Wandel anfangen.

Wir sind das Bistum, auf das Deutschland und die ganze Welt aus Anlass des Katholikentages ein Auge wirft. Das Motto des Kirchentages ist der Friede, den wir suchen sollen. Bischoff Felix erwähnt hier ganz besonders, den Frieden den wir auch mit der Umwelt und seinen Geschöpfen schließen sollen.
Die hiesigen Landwirte betonen, dass sie für die wachsende Weltbevölkerung produzieren. Röhring und BAYER sagen selbiges. Papst Franziskus hingegen betont hier die Bedeutung der Kleinbauern. Der Kleinbauern der Schwimmenden Gärten Mexicos, beispielsweise benötigt nicht einmal 40 m² um einen seiner Nachbarn das ganze Jahr über zu ernähren. In  Deutschland benötigen wir im Mittel über 2.500 m² um einen Menschen zu sättigen. Der Kleinbauer ist in dieser Hinsicht um über 50 mal effektiver, und Papst Franziskus weiß natürlich von dieser Wahrheit in Gottes Schöpfung. Auch unsere Landwirtschaftskammer in Münster suchte hierzu auf ihrem Europäischen Kongress zur nachhaltigen Landwirtschaft den Bioland-Betrieb Altfeld in Capelle auf. Er ist für die Kammer das Muster eines zukunftsfähigen Betriebes, und wer die Artenvielfalt auf diesem Betrieb sieht, der weiß, was es heißt Friede mit der Umwelt zu schließen. Dieser Friede fehlt in unserem Ascheberg. Aber natürlich mühen unsere Landwirte redlich, und viele stehen mit dem Rücken zur Wand. Was können sie denn tun? Zu allem Überfluss verweist jetzt auch die GroKo – und das heißt natürlich nicht Große Kohle – auf die Notwendigkeit der Landwirtschaft auch aus Klimagründen vermehrt ökologisch zu produzieren.
Unsere Landwirte können einem da Leid tun.
Eine Vegetarier- und Veganerwelle bei den Teenagern schwappt übers Land und kündigt den Einbruch des Fleischkonsumes in 10 Jahren an. Dies bleibt den Bauern verborgen. Stattdessen sorgen sie weiterhin dafür, dass für ihren Sojaschrot der Regenwald in Brasilien gerodet und Kinder in Argentinien vergiftet werden.  Wenn nun der Bauernführer auf die Chinesen als Abnehmer verweist, kommt mir das vor, wie bei diesen Leute die versuchen, den Holocaust mit Mao Tse Tong zu relativieren.
Nein Danke!
Das Soja rodet Regenwälder, vergiftet Kinder und ist zu allem Überfluss mit einer alle Grenzwerte übersteigenden Glyphosat-Belastung versehen. Das ist die gute Landwirtschaft in Ascheberg.
Ökologischen Landbau gibt es hier ja immer noch nicht.

Aber natürlich gibt es eine Lösung, oder wie Psalm 34 mit den Worten unseres Katholikentages sagt:
Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not.
Herr Bürgermeister, helfen Sie den hiesigen Bauern und natürlich auch der hiesigen Artenvielfalt auf ihrem schweren Weg in die Zukunft:
Schauen Sie sich die Ökoregion Kaindorf an, wo mit der Humuslandwirtschaft ein Kleinod, ein Diamant an Artenvielfalt und Lebensmittel-Produktivität geschaffen wurde. Sie gibt ein leuchtendes Beispiel für Ascheberg und seine Landwirte.
Nehmen Sie das Geld, was die Gemeindekasse übrig hat, und senken Sie nicht die Steuern und Abgaben, und verfallen wir bei der Aula der Theodor-Fontane-Schule nicht in Größenwahn, sondern investieren Sie in die Zukunft Aschebergs:
nehmen Sie das Geld und gründen die Ökoregion Ascheberg.
Eine Ökoregion Ascheberg wird unser Dorf zu einem Touristenmagneten zu entwickeln und in jeder Hinsicht zukunftsfähig machen.

Sie sagen in ihrer Haushaltsrede zu unserem Dorf:
Ascheberg geht es gut!
Sie könnten aber auch sagen:
Da wo es nach Gülle riecht und die letzte Pflugfurch am Straßenschotter kratzt, da fühle ich mich zu Hause.
B90-Grüne hier in Ascheberg raten Ihnen:
Schaffen Sie ein ökologisches Ascheberg.
Schaffen Sie die Ökoregion Ascheberg, wo es im Frühjahr nach Blüten duftet – wie in den Wiesen und Weiden des zukunftsfähigen Betrieb Altfeld – und wo die Feldränder mit Blumen gesäumt sind.
Herr Dr. Risthaus, dann garantiere ich Ihnen nicht nur einen Auftritt in der Tagesschau, dann garantiere ich Ihnen eine Audienz bei Papst Franziskus.
Und dann können Sie wirklich sagen:
Ascheberg geht es gut!

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