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26Jan

Wann wird das Thema Artenvielfalt im BPUA der Gemeinde Ascheberg endlich nachgeholt?

Artensterben sollte eigentlich ein TOP der BPUA-Sitzung, Gemeinde Ascheberg am 1. Februar 2018 sein.
Dies hätte Not getan, denn das Artensterben bedroht die Zukunft der Gemeinden im Münsterland noch mehr als es das Klimasterben tut.

Die im PLOS-one-Journal veröffentlichte Studie (Caspar A. Hallmann et al., 2017: More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas) alamierte Ludger Wobbe und seine hiesige CDU. Die Studie analysierte den Insektenbestand an verschiedenen Standorten in geschützten Lebensräumen. Darunter befanden sich 63 Analysen aus drei deutschen Bundesländern, u.a. auch NRW.
Die Autoren der Studie legen nahe, dass die industrielle Landwirtschaft mit ihrem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln sowie einer ganzjährigen Bewirtschaftung der Standorte die zentrale Rolle in diesem massiven Rückgang der Artenvielfalt spielt, da es sich bei 94% der Standorte um Insellagen in einem Meer landwirtschaftlichen Anbaus handelt.
Rachel Carson hatte diesen Vorgang für die USA in ihrer populärwissenschaftlichen Abhandlung „Silent Spring“ bereits dargelegt. Nun also auch Europa …!

Frau Schulze-Föcking lag auf dem Coesfelder Bauerntag im Januar 2018 mit ihrem Anliegen, dass um den Erhalt der Artenvielfalt auch mal um die Bewohner Gemeinden und Städte zu kümmern müssten, und nicht nur immer um die Landwirte, absolut richtig:
der Artenvielfalt wäre weitaus am meisten gedient, wenn ab Morgen alle diese Mitmenschen bei ihrem Einkauf nur noch Lebensmittel aus nachhaltigem kontrollierten Landbau nachfragen würden.
Mit dieser von Einigen als provozierend empfundenen Aussage stehe ich übrigens in einer Reihe mit dem NABU, dem BUND, dem WWF
…. und last but not least Papst Franziskus!
In seiner Enzyklika Laudato Si vom Mai 2015 betont er, dass der umweltschonenden kleinbäuerlichen Landwirtschaft die Zukunft gehört.
Die kleinbäuerliche Landwirtschaft ernährt den Großteil der Weltbevölkerung! Mit 20% der Weltagrarfläche ernähren sie 2/3 der Weltbevölkerung. So versorgt beispielweise der Kleinbauer aus den Schwimmenden Gärten in Mexico, bei gleicher Fläche, mehr als 50 mal so viele Menschen wie der mit „modernsten Techniken“ wirtschaftende Landwirt aus dem Münsterland
(siehe hierzu Scheub et al. 2013, Terra Preta. sowie BMEL 2015, Agrarpolitischer Bericht der Bundesregierung).

Warum denn das?

Nun in seinem Anbausystem mit einer Unzahl von Kulturpflanzen (multiple cropping) befinden sich eine Unzahl von Habitaten, welche eine große Artenvielfalt beheimaten. Die verschiedenen Kulturpflanzen steigern bei angepasster Kombination ihre gegenseitigen Erträge und stärken ihren Bestand. Das Ergebnis übersteigt die Summe der Einzelkulturen. Demgegenüber müssen Monokulturen aufwendig durch chemische Hilfsmittel in ihren Erträgen gefördert werden. Diese Hilfsmittel wiederum schädigen die Artenvielfalt.
Das hat Papst Franziskus als eine Demut vor der Schöpfung und seiner Vielfalt betont.
Der Papst und seine göttliche Botschaft sind also auch eine echte Hoffnung für die Artenvielfalt. Und dies hoffentlich auch im Münsterland, und in Ascheberg.

Und wann wird dieses Thema endlich auch im BPUA-Ascheberg nachgeholt?
Den Katholiken im Gemeinderat sollte es eigentlich unter den Nägeln brennen ….

Abschließend sei hier noch die Deutsche Bischofskonferenz zitiert (aus Neuorientierung für eine nachhaltige Landwirtschaft):

Nachhaltige Landbewirtschaftung heißt konkret:
Die natürlichen Ressourcen und ihre Funktionsfähigkeit sollen dauerhaft für heutige und nachfolgende Generationen erhalten werden. Das bedeutet insbesondere, dass die Bodenfruchtbarkeit und die biologische Vielfalt erhalten bzw. verbessert, bereits eingetretene Schädigungen aufgearbeitet und nach Möglichkeit rückgängig gemacht werden müssen. Hier werden Zielkonflikte offensichtlich, die von allen Seiten die Bereitschaft zu Kompromissen sowie zur echten Auseinandersetzung mit den Erfordernissen der Nachhaltigkeit und ihre Anwendung verlangen. Diese ist auf Vernetzungen und Synergien zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Notwendigkeiten sowie auf globale und intergenerative Gerechtigkeit angelegt. So macht eine wirksame Bekämpfung der Armut für die 800 Millionen hungernden Menschen auf der Erde eine tiefgreifende Reform der globalen – wie ebenso auch unserer nationalen Agrarpolitik unumgänglich.

23Jan

Artenvielfalt in Ascheberg – das Projekt „Ascheberg blüht“

Eine wissenschaftliche Arbeit zeigte an, dass in Deutschland die Artenvielfalt insbesonders im Bereich der Mikrofauna zusammenbricht. Studien im Aussenbereich verifizierten dies. Diese wiederum war der Anlass, dass der Ascheberger CDU-Fraktionsführer Ludger Wobbe die Artenvielfalt zu einem TOP im Ascheberger Gemeinderat zu machen.
Die Gemeindeverwaltung gab die die Problematik des Themas zu bedenken:
die allermeisten Ascheberger wohnen im Dorf. Der überwiegende Teil der Artenvielfalt der Flora, Fauna und Mikrofauna hat ihr Habitat im Aussenbereich, in den Bauernschaften, dort wo die Bauern schafften oder schufen und immer noch schaffen. Und wie wir von Herrn Silkenböhmer erfuhren, sind die Bauern die edelsten Pfleger der Umwelt.
Auch Frau Ministerin Christiane Schulze Föcking untermauerte diese Sicht auf dem Coesfelder Bauerntag 2018:
die Bauern hätten ihre Pflicht getan. Jetzt seien auch die Dörfer und Städter dran …. .
Everything is alright, isn’t it!
Artenvielfalt scheint also das Thema einer relativ kleinen Berufsgruppe zu sein.
Und wenn die Studie korrekt ist und die CDU-Fraktion sich zurecht sorgt, läuft bei der bäuerlichen Pflege irgendetwas falsch. Sie scheint die Umwelt zu vernichten. Oder aber wir halten es mit Donald Trump und titulieren unsere Wissenschaft als eine chinesische Chimäre.
Aber kommen wir doch zunächst einmal zum Dorf:
Dort gibt es zwei Handelnde: die Gemeinde und die Kleingärtner.
Beim Teil der Gemeinde existieren drei Habitatstypen:
  • Straßenrandvegetation, die regelmäßig gemäht wird, was Artenreichtum senkt und Gräserdominanz fördert
  • Bauplatzvegetation, wo aktuell nicht bearbeitet wird, also auch kein Spätsommerschnitt, was aktuell das Jakobskreuzkraut in seiner Dominanz fördert, was dann wiederum über kurz oder lang zum Spritzmitteleinsatz führen wird, und was dann letztendlich Artenreichtum senkt.
    Se bon?
  • Frei- und Brachflächen, in der Regel ungepflegt, was wiederum den Artenreichtum stört.
    Für die Kreisverkehre wurde im Gemeinderat als proaktive Maßnahme vorgeschlagen, artenreiche Mischungen zu säen.
    Das macht zwar unser Dorf für den Tourismus attraktiver, aber mit Artenvielfalt …
    machen wir uns doch bitte nicht lächerlich!
    PS:
    in ganz Ascheberg käme nur EIN Kreisverkehr dazu in Frage, was weit weniger als 0,0001 % der Gemeindefläche wäre!!
Bleiben die Gärtner.
In den in aller Regel Beikraut-freien Beeten wachsen häufig exotische, also nicht einheimische Pflanzen. Sie werden regelmäßig eingefasst von grünen Rasen, der einmal wöchentlich
geschnitten wird.
Artenvielfalt geht anders

Soviel zum Dorf:
Aber das Dorf verfügt über weniger als 3% der gesamten Freifläche Aschebergs, kommt damit also nicht einmal in den von mir so genannten Flächen-Gemeinderat. Und wer Artenvielfalt an den Flächen der Kreisverkehre festmachen will, den sollten wir nicht Ernst nehmen.
Sonst würde uns niemand mehr Ernst nehmen!

Bleiben also die Bauernschaften mit Wald Ackerland und den Randstreifen, sowie den Weiden und dem Brachland.
Der Ascheberger Forst ist Nutzforst, und der ist wie alle Studien zeigen artenarm.
Im Wald bildet der Pilzreichtum eine Zeigerpflanze für Artenvielfalt. Um reichlich Pilze zu sammeln, geht der Mitbürger besser in die Wälder der Nachbar-Gemeinden.
Zu Aschebergs Ackerland passt das Lied: ”Sag mir wo die Blumen sind. Wo sind sie geblieben?”
Flora und Fauna wurden tot gespritzt, oder mit der Güllelandwirtschaft überdüngt. Und Überdüngung, also 170 kg N allein durch Gülle killt jede Artenvielfalt.
Auch die Randstreifen finden sich komplett überdüngt, was allein ihr Gräserreichtum zeigt.
Gleiches gilt für Ackerrandstreifen:  im 2. Jahr, spätestens im 3. Jahr wächst auf ihnen nur noch Gras.
Auch die Weiden finden sich völlig überdüngt, so dass auf ihnen höchstens noch der Löwenzahn blüht. Löwenzahn gilt aber als die Zeigerpflanze für stickreiche Böden und damit für eine geringe Artenvielfalt.
Zu guter Letzt bleibt das Brachland, was da sind zum einen die Naturschutzreservate und zum anderen die Lärmschutzwälle.
Naturreservate gibt es in relevanter Größe eigentlich nur in Davensberg. Davensberg ist Aschebergs Heim der Artenvielfalt. Da liegen die Emmerbachaue und die Feuchtwiesen der NABU. Hier  existiert wirklich Artenreichtum, oder er wird existieren. Das wird ein Touristenmagnet Aschebergs werden.
Zum anderen reden wir von den Lärmschuzwällen, die bei richtiger Planung und Pflege ein Kleinod der Artenvielfalt sind.
Bei Lärmschuzwälle handelt es sich um Trockenhabitate auf nährstoffarmen Böden, und die sind wie wir wissen, beste Standorte für Artenreichtum.
Aber sowohl gegen Lärmschuzwälle als auch gegen das NABU-Naturreservat haben sowohl Landwirtschaft als auch die Gemeinde Ascheberg bisher ihre Einwände zum Ausdruck gebracht.
Vielleicht ändert das Bewusstsein um die Bedeutung der Artenvielfalt ja diese Abschätzungen.
Ascheberger Lärmschuzwälle wurden noch vor nicht zu langer Zeit kostengünstig verkauft.
Da hätte die Gemeinde leider ihre Chance gehabt, Artenvielfalt auf ihrem Gebiet in ihre Hand und Pflege zu bringen.
Zu spät! Schade … .
Die Gemeinde hat diese große Chance Artenvielfalt zu fördern verpasst.
Es bleiben ihre Freiflächen, die sie angepasst wachsen lässt, und die sie anschließend geeignet pflegen muss, wie dies zum Beispiel auf den Davensberger Emmerbachauen durch die Schafbeweidung geschehen wird.

…. und am Ende dieser Abhandlung zu Artenvielfalt in Ascheberg:
was kann denn der einzelne Ascheberger Mitbürger tun, um Artenvielfalt zu fördern?
Zunächst kann er durch sein Kaufverhalten, die Artenvielfalt fördern!
Biologischer Anbau fördert Artenvielfalt.
Die Landwirtschaftskammer NRW in Münster wählte im Sommer 2017 einen Biolandbetrieb in Capelle, Nordkirchen als Vorzeigeobjekt der “zukunftsfähigen Landwirtschaft im Münsterlandes”.
Die stellte ihn als solchen landwirtschaftlichen Beratern und Wissenschaftlern aus 12 Ländern Europas vor. Diese hatten zuvor eine Wochen über die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert
(IALB-Eufras-Konferenz, 2017:
https://www.ialb.org/phocadownload/Aktuelles/IALB_Tagung_2017/2017-06-19-1ialb-ablauf.pdf,
http://www.landwirtschaftskammer.de/ialb2017/pdf/ialb-2017-tagungsablauf-de.pdf).
Der vorgestellte Betrieb hat die artenreichsten Flächen der gesamten Region. Dieser Bioland-Betrieb wurde von den Projektteilnehmern als vorbildliche Form der Landwirtschaft eingestuft.
Siehe hierzu auch der RN-Artikel vom 23. Juni 2017:
Landwirtschaftskammer Münster wählt internationalen Vorzeigebetrieb in Nordkirchen
>http://gruene-ascheberg.org/wp-admin/post.php?post=864&action=edit<

Der Mitbürger entscheidet also an der Ladenkasse, oder im direkten Gespräch mit den Landwirten, zum Beispiel auf der Kirmes oder beim Schützenfest. Für die einzelnen Landwirte ist die Umstellung ihres Betriebes eine Entscheidung, die eine Zukunft des Hofes in Frage stellt. Sie erfordert enormen Mut. Wir Ascheberger können den Bauern dabei helfen, ihn unterstützen.
Lassen wir uns da nicht lumpen, werden wir tätig.
Unterstützen wir unsere Bauern in dieser schweren Stunde ihres „Bauern schaffen!“ mit guten Ideen.
So zeigt zum Beispiel die solidarische Landwirtschaft
>https://makecsa.org/wie_funktioniert_CSA<
einen Leitfaden, den Verbraucher und Bauern gemeinsam zu einer verantwortungsbewussten Landwirtschaft gehen können.

Nur Mut!

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