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11Aug

Willkommenskultur leben

Ein paar Worte anlässlich der Sandkasteneröffnung auf der Münsterstraße, Herbern

Willkommenskultur.

Man könnte genauso gut sagen:
Respekt.
Mitmenschlichkeit.
Achtung vor der Würde des Menschen.
Nächstenliebe.

Eigentlich sind alle Begriffe passend.

Je nach eigenem Standpunkt sagt dem einen dieser, der anderen jener mehr zu.
Gemeinsam ist allen, dass sie mit Inhalt gefüllt werden müssen, um keine leere Worthülse zu bleiben.
Willkommenskultur.
Ein Schild mit bunten Buchstaben
– „Willkommen, welcome, hoşgeldiniz, ahlan wa sahlan, mirë se erdhët, bienvenue“ –
das reicht dafür nicht aus.
Es ist natürlich auch mit einem Sandkasten nicht getan. Eigentlich ist es nie getan.
Denn „getan“ impliziert ja, dass etwas erledigt ist, abgehakt werden kann.
Aber Willkommenskultur kann nicht mal eben erledigt werden.
Mit einer Begrüßung und einem Dach über dem Kopf ist es eben nicht getan.

Gelebte Willkommenskultur erfordert Arbeit von jeder und jedem von uns.
Gelebte Willkommenskultur bedeutet, sich für andere Menschen einzusetzen, die in diesem Moment weniger Glück haben als wir selbst und die akut unsere Unterstützung benötigen.
Gelebte Willkommenskultur heißt, mir selbst an die eigene Nase zu fassen und zu fragen: Was kann ich tun? Auch wenn das möglicherweise bedeutet, dass es auch für mich erst mal unbequem wird, weil ich aus meinem gewohnten Trott herausgerissen werde.
(Der Mensch, das Gewohnheitstier…)
Aber wenn mich diese Situation schon so in Unruhe versetzt, dann kann ich mir, glaube ich, nur ansatzweise vorstellen, wie es denjenigen ergehen muss, deren ganzes Leben durch das Verlassen der Heimat, den Abschied von Familie, Freundinnen und Freunden auf den Kopf gestellt wurde. Und dagegen ist doch das bisschen Durcheinander, das dies vielleicht auch in meine kleine heile Welt bringt, durchaus zu verkraften. Ganz abgesehen von den positiven Erfahrungen, die ich sicherlich dazugewinne.

Und deshalb sollten wir vielleicht alle überlegen, was gelebte Willkommenskultur jeweils für uns bedeutet.
Wie würde ich mir wünschen, dass ich aufgenommen würde, wäre ich in einer ähnlichen Situation?
Oder wäre es meine Freundin, mein Vater, meine Schwester… Und wenn ich es schaffe, auch nur einen Bruchteil davon selbst umzusetzen, ist das für mich ein Stückchen gelebte Willkommenskultur.
Oder auch ein Akt der Nächstenliebe, eine Frage der Mitmenschlichkeit, eine Sache des Respekts und die Achtung vor der Würde des Menschen.

Mit dem Sandkasten ist es nicht getan; aber er ist ein Zeichen dafür, dass wir diese Willkommenskultur auf- und weiterbauen können und müssen.
Und er ist ein winzig kleines Mosaikteil in einem hoffentlich immer weiter wachsenden Puzzle des menschlichen Miteinanders.

 

JC
im August 2015

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